Der Erreger
Hinter der Weißpünktchenkrankheit, in der Fachsprache Ichthyophthiriose, steckt ein einzelliger Parasit: das Wimpertierchen Ichthyophthirius multifiliis, unter Aquarianern oft kurz „Ichthyo“ genannt. Der Parasit kommt weltweit vor und kann praktisch jeden Süßwasserfisch befallen. Er nistet sich in der obersten Hautschicht und in den Kiemen ein und ernährt sich dort vom Gewebe seines Wirts. Ohne lebende Fische kann er sich nicht vermehren.
Woran du einen Befall erkennst
- Weiße Punkte: Auf Körper, Flossen und Kiemen sitzen winzige weiße Pünktchen, höchstens so groß wie ein Stecknadelkopf. Sie erinnern an verstreute Salz- oder Grießkörner. Bei starkem Befall fließen sie zu grauen Flecken zusammen.
- Scheuern: Die Fische reiben sich an Steinen, Holz oder am Boden.
- Geklemmte Flossen: Die Flossen werden eng an den Körper gelegt statt locker gespreizt.
- Schnelle Atmung: Weil auch die Kiemen befallen sind, atmen die Tiere hastig.
- Später: Die Fische werden träge, fressen schlecht und magern ab.
Aber Vorsicht: Auf hellen Fischen sind die Punkte schwer zu sehen, und sitzen die Parasiten nur in den Kiemen, fehlen sie womöglich ganz. Andererseits sehen manche andere Krankheiten ähnlich aus. Sicher lässt sich der Erreger nur unter dem Mikroskop bestimmen.
Warum eine einzelne Behandlung nicht reicht
Der Parasit durchläuft mehrere Stadien, und nur eines davon ist angreifbar. Solange er unter der Haut des Fisches sitzt, schützt ihn das Gewebe vor jedem Mittel im Wasser. Ist er ausgewachsen, verlässt er den Fisch, sinkt ab und heftet sich an Pflanzen, Dekoration oder den Boden. Dort bildet er eine schützende Hülle und teilt sich darin in bis zu rund tausend Nachkommen. Erst wenn diese Schwärmer ausschlüpfen und nach einem neuen Wirt suchen, sind sie ungeschützt – nur dann wirkt eine Behandlung.
Wie schnell das geht, hängt von der Wassertemperatur ab: In warmem Aquarienwasser ist ein Durchlauf nach wenigen Tagen geschafft, in kühlem Wasser dauert er deutlich länger. Deshalb kann sich der Parasit in einem tropischen Becken innerhalb kurzer Zeit explosionsartig ausbreiten.
Wie der Parasit ins Becken kommt
Meist wird er eingeschleppt – mit neuen Fischen, aber auch mit Pflanzen, Bodengrund, Deko oder einem Kescher aus einem anderen Becken, an denen Zysten haften können. Neue Tiere tragen den Erreger oft unbemerkt in sich. Stress durch Transport und Umsetzen, ein überfülltes Becken oder rasche Temperaturschwankungen schwächen die Abwehr, und dann bricht die Krankheit aus. Manche Arten gelten als besonders anfällig, zum Beispiel der Marmorierte Beilbauch, die Prachtschmerle und der Rückenschwimmende Kongowels.
Behandlung
Wer früh handelt, hat die besten Aussichten:
- Mittel aus dem Fachhandel verwenden und genau so dosieren, wie es auf der Packung steht. Eine Überdosis schadet auch den Fischen.
- Bis zum Ende behandeln: Weil immer nur die frei schwimmenden Schwärmer erwischt werden, braucht es mehrere Gaben über die ganze angegebene Dauer. Hör nicht auf, sobald die Punkte verschwunden sind.
- Aktivkohle raus: Kohle im Filter bindet Arzneistoffe und macht sie wirkungslos. Nimm sie während der Behandlung heraus. Das übrige Filtermaterial bleibt drin.
- An Wirbellose denken: Garnelen, Schnecken und andere Wirbellose vertragen viele Mittel nicht, vor allem kupferhaltige. Lies den Beipackzettel und setze sie vorher um, wenn das Mittel nicht für sie geeignet ist.
- Temperatur nur behutsam: Etwas wärmeres Wasser verkürzt die geschützte Phase, sodass die Schwärmer früher schlüpfen. Erhöhe die Temperatur aber nur, soweit alle Arten im Becken das vertragen. Die Spanne steht im Steckbrief jeder Artseite.
- Sauber halten: Mulm absaugen entfernt einen Teil der anhaftenden Zysten. Tote Fische sofort herausnehmen.
Manche Fische, etwa schuppenarme Arten wie die Prachtschmerle, reagieren empfindlich auf Medikamente. Bist du unsicher, ob es wirklich Weißpünktchen sind, welches Mittel zu deinem Besatz passt oder ob die Behandlung anschlägt, frag eine Tierärztin oder einen Tierarzt mit Erfahrung bei Fischen.
Vorbeugen
Der beste Schutz ist, den Parasiten gar nicht erst einzuschleppen. Setze neue Fische zuerst für einige Wochen in ein Quarantänebecken und beobachte sie dort, wie im Ratgeber Fische einsetzen und Quarantäne beschrieben. Kescher und Schläuche aus dem Quarantänebecken benutzt du nicht im Hauptbecken. Gute Wasserwerte und wenig Stress halten die Abwehr deiner Fische stabil. Fische, die einen Befall überstanden haben, können den Erreger weiter in sich tragen und andere Tiere anstecken.