Was Garnelen brauchen
Als Zwerggarnelen bezeichnet man in der Aquaristik kleine Süßwassergarnelen der Gattungen Caridina und Neocaridina. Die meisten von ihnen werden nur ein bis zwei Zentimeter lang und sind oft durchscheinend. Mit feinen Borstenbüscheln an ihren Scheren kehren sie Nahrung zusammen: Aufwuchs von Pflanzen, Steinen und Holz sowie zerfallende Pflanzenreste. Ein gut eingefahrenes, bepflanztes Becken mit viel bewachsener Fläche bietet ihnen deshalb schon einen großen Teil ihres Futters.
Bei vielen Arten schlüpfen aus den Eiern keine Larven, sondern winzige fertige Garnelen, die gleich am Boden leben. Bei der verbreiteten Rückenstrichgarnele messen die Jungen beim Schlupf nur etwa drei Millimeter. Genau darin liegt das Problem, wenn Fische im Becken sind.
Das Hauptproblem: Garnelen sind Futter
Die Rückenstrichgarnele wird in Taiwan sogar gezielt als Fischfutter gezüchtet. Für Fische ist eine Garnele also keine Mitbewohnerin, sondern eine Mahlzeit, sobald sie ins Maul passt. Die frisch geschlüpften Jungtiere passen fast in jedes Fischmaul. Je größer und räuberischer ein Fisch ist, desto eher erwischt er auch erwachsene Tiere.
Wie schnell das geht, zeigen einige Arten aus dem Zierfischatlas: Selbst der kaum zweieinhalb Zentimeter lange Blaue Neon verschmäht die Brut von Zwerggarnelen nicht. Der Knurrende Zwerggurami und der Blaubarsch stellen Zwerggarnelen nach, der Zwergkugelfisch frisst Garnelen, und Boesemans Regenbogenfisch hält sie für Beute.
Welche Fische eher geeignet sind
Infrage kommen nur sehr kleine, ruhige Arten mit winzigem Maul. Einige Beispiele aus unseren Daten:
- Moskitobärbling: etwa zwei Zentimeter groß, mit sehr kleinem Maul und scheu. Er gilt in einem bepflanzten Becken als verträglich mit Caridina- und Neocaridina-Garnelen.
- Grüner Zwergbärbling: noch kleiner und ebenfalls scheu. Auch mit ihm lassen sich Zwerggarnelen nach unseren Quellen gemeinsam halten.
- Schachbrett-Zwergpanzerwels: ein kleiner Bodenfisch, der Zwerggarnelen nicht behelligt.
Ganz ohne Verluste geht es aber auch mit diesen Arten nicht unbedingt. Zwergbärblinge sind in der Natur Kleinstjäger, die auch winzige Krebstiere fressen. Rechne damit, dass einzelne frisch geschlüpfte Garnelen trotzdem verschwinden.
Verstecke für den Nachwuchs
Damit sich die Garnelen trotz Fischen vermehren, brauchen die Jungtiere Rückzugsorte. Ein dicht bepflanztes Becken mit feinblättrigen Pflanzen und Moos bietet ihnen Deckung, und auf den Pflanzen wächst gleichzeitig Futter. Ganz verhindern lassen sich Verluste damit aber nicht.
Welche Fische nicht dazupassen
Die meisten Buntbarsche kommen nicht infrage. Manche sind regelrechte Garnelenjäger, etwa der Nanderbuntbarsch oder der Perlhuhnbuntbarsch, die in ihrer Heimat gezielt in Felsritzen nach Garnelen suchen. Auch lebhafte, größere Schwarmfische wie viele Barben oder größere Salmler sind keine gute Wahl, denn schon ein kleiner Salmler wie der Blaue Neon frisst Garnelenbrut. Ebenso ungeeignet sind Kugelfische und alle Arten, die im Steckbrief als Räuber beschrieben werden.
Vorsicht bei Medikamenten
Garnelen und andere Wirbellose sind gegen viele Arzneimittel für Fische empfindlich. Das gilt besonders für kupferhaltige Mittel: Die meisten Wirbellosen überleben eine Behandlung mit Kupfer nicht. Werden deine Fische krank, lies den Beipackzettel genau und setze die Garnelen um, bevor du behandelst. Mehr dazu steht im Ratgeber Weißpünktchenkrankheit erkennen und behandeln.
Wasserwerte abgleichen
Fische und Garnelen müssen dieselben Wasserwerte vertragen. Informiere dich vor dem Kauf, welche Temperatur, welchen pH-Wert und welche Härte deine Garnelenart braucht, und vergleiche das mit dem Steckbrief der Fische auf ihren Artseiten. Die Rückenstrichgarnele gilt als sehr anpassungsfähig, das gilt aber nicht für jede Art.