Woran du merkst, dass etwas nicht stimmt
Schau beim Füttern jeden Tag kurz hin: Wer frisst, wer fehlt, wer verhält sich anders als sonst? Viele Krankheiten zeigen sich zuerst im Verhalten.
- Verhalten: Ein Fisch zieht sich zurück, steht teilnahmslos in einer Ecke oder schwimmt ungewohnt träge. Andere reiben sich an Steinen, Holz oder am Boden, als würde es sie jucken.
- Atmung: Die Kiemen arbeiten schnell, die Kiemendeckel stehen ab, oder die Tiere hängen dicht unter der Oberfläche und schnappen nach Luft.
- Flossen: Sie liegen eng am Körper an statt locker gespreizt, oder die Ränder wirken ausgefranst und werden kürzer.
- Haut und Farbe: Weiße Punkte, ein feiner Belag wie Puderzucker, watteartige Flecken, Rötungen oder offene Stellen. Auch eine ungewohnt blasse oder dunkle Färbung ist ein Hinweis.
- Appetit und Körper: Ein Fisch nimmt kein Futter mehr an, magert ab, der Bauch schwillt an, oder der Kot hängt lang und weißlich herab.
Nicht jede Auffälligkeit ist gleich eine Krankheit. Manche Arten haben Eigenheiten, die Anfänger erschrecken: Der Schrägschwimmer steht von Natur aus schräg im Wasser.
Die ersten Schritte
- Zuerst das Wasser prüfen. Ein großer Teil der Erkrankungen im Aquarium geht auf Stress zurück, und schlechtes Wasser gehört zu den wichtigsten Auslösern. Miss mindestens Nitrit, Ammonium, pH und Temperatur. Was die Werte bedeuten, steht im Ratgeber Wasserwerte. Gerade in neuen Becken ist oft Nitrit schuld, siehe Aquarium einfahren. Stimmt etwas nicht, bring zuerst das Wasser in Ordnung, etwa mit einem Teilwasserwechsel. Das geht jeder Behandlung vor.
- Genau beobachten. Notiere, welche Tiere betroffen sind, wie viele, seit wann und mit welchen Anzeichen.
- Kranke Tiere trennen. Hast du ein Quarantänebecken, setz einzelne kranke Fische dorthin. So schützt du den übrigen Bestand. Tote Tiere nimmst du sofort heraus.
- Nicht wahllos behandeln. Viele Krankheiten sehen sich zum Verwechseln ähnlich. Mehrere Mittel auf Verdacht belasten die Fische zusätzlich und treffen womöglich nicht einmal den Erreger.
- Fachleute fragen. Sicher bestimmen lassen sich die meisten Erreger nur unter dem Mikroskop oder im Labor. Bleibt die Ursache unklar oder sterben Fische, wende dich an eine Tierärztin oder einen Tierarzt mit Erfahrung bei Fischen.
Häufige Krankheiten im Überblick
Die Liste ersetzt keine Diagnose, sie hilft dir beim Einordnen.
- Weißpünktchenkrankheit: Ein einzelliges Wimpertierchen verursacht die wohl bekannteste Aquarienkrankheit mit grießkornartigen weißen Punkten auf Haut und Flossen. Alles zu Erreger, Behandlung und Vorbeugung findest du im eigenen Ratgeber Weißpünktchenkrankheit.
- Samtkrankheit: Auslöser ist ein winziger Parasit aus der Gruppe der Dinoflagellaten, bei Süßwasserfischen Piscinoodinium, früher Oodinium genannt. Zunächst sitzt er oft nur in den Kiemen, die Fische atmen schwer und scheuern sich. Später liegt auf der Haut ein gelblich bis bräunlich schimmernder, samtiger Belag, am besten zu sehen im Gegenlicht. Unbehandelt verläuft die Krankheit meist tödlich, daher früh fachkundigen Rat suchen.
- Flossenfäule: Meist sind Bakterien wie Aeromonas oder Pseudomonas beteiligt, die sich bei schlechter Hygiene und organischer Belastung vermehren. Die Flossen franzen aus und zerfallen nach und nach, im schlimmsten Fall bis auf die Flossenstrahlen. Entscheidend ist, die Ursache im Becken zu beheben; ohne saubereres Wasser kehrt die Infektion leicht zurück.
- Columnaris: Das Bakterium Flavobacterium columnare ruft weißliche, schimmelähnliche Stellen hervor, oft am Maul, an den Flossen oder als Fleck auf dem Rücken, daher Namen wie „Maulfäule“. Es kommt vor allem in warmem Wasser vor und kann schnell oder schleichend verlaufen. Es wird leicht mit Verpilzung verwechselt. In unseren Daten gilt etwa der Boesemans Regenbogenfisch als anfällig.
- Verpilzung: Wasserschimmel wie Saprolegnia bildet grauweiße, wattebauschartige Beläge. Er befällt fast nur Fische, deren Schleimhaut vorher verletzt oder geschwächt war, außerdem Fischlaich. Behandeln sollte man darum auch die Ursache, etwa Verletzungen, Parasiten oder zu kühles Wasser.
- Bauchwassersucht: Hier handelt es sich eher um ein Krankheitszeichen als um eine eigene Krankheit. Der Bauch ist mit Flüssigkeit gefüllt, die Schuppen stehen ab und der Fisch sieht von oben aus wie ein Tannenzapfen. Dahinter können bakterielle Infektionen, Parasiten oder Fischtuberkulose stecken. Lass die Ursache fachkundig abklären.
- Darmflagellaten: Die Einzeller Hexamita und Spironucleus befallen den Darm, besonders bei Buntbarschen, Guramis und Kampffischen. Typisch sind Abmagerung, Teilnahmslosigkeit und weißer, schleimiger Kot. Im deutschen Sprachgebrauch wird der Befall auch Lochkrankheit genannt. Enge, Transport und anderer Stress begünstigen einen Ausbruch.
- Neonkrankheit: Der Erreger Pleistophora hyphessobryconis zerstört die Muskulatur, vor allem bei Salmlern wie dem Neonsalmler. Die Farbe verblasst stellenweise, es zeigen sich milchige Flecken, später schwimmen die Tiere unsicher oder krumm. Eine Behandlung gibt es nicht; betroffene Fische müssen aus dem Becken, damit sich die Krankheit nicht weiter ausbreitet.
- Kiemen- und Hautwürmer: Winzige Saugwürmer der Gattungen Dactylogyrus (meist an den Kiemen) und Gyrodactylus (meist auf Haut und Flossen) sind mit bloßem Auge kaum zu erkennen. Befallene Fische scheuern sich, atmen schnell, halten die Flossen geklemmt und werden blass. Bei starkem Befall sterben viele Tiere. Nachweisen lassen sie sich nur unter dem Mikroskop.
- Fischtuberkulose: Verschiedene Mykobakterien, darunter Mycobacterium marinum, verursachen eine meist schleichende Krankheit mit Abmagerung, Geschwüren, verblassenden Farben, Glotzaugen oder verkrümmter Wirbelsäule. Häufig trifft es Salmler. Die Krankheit gilt als kaum behandelbar und ist am lebenden Fisch schwer festzustellen. Wichtig für dich: Die Erreger können über kleine Hautverletzungen auch Menschen anstecken und eine hartnäckige Hautentzündung auslösen. Trag beim Reinigen des Beckens Handschuhe, besonders wenn du Wunden an den Händen hast, und wasch dir danach die Hände. Wer eine geschwächte Abwehr hat, sollte ein betroffenes Becken nicht selbst pflegen.
- Blähbauch beim Tropheus: Der Tropheus aus dem Tanganjikasee braucht rein pflanzliches Futter. Bekommt er Fleischhaltiges, auch aus dem Futter der Mitbewohner, droht der gefürchtete Blähbauch.
Medikamente mit Bedacht
Ein Mittel wirkt nur gegen den Erreger, für den es gedacht ist. Behandle deshalb erst, wenn du weißt, womit du es zu tun hast. Halte dich genau an die Angaben auf der Packung und behandle über die ganze angegebene Dauer, auch wenn die Anzeichen früher verschwinden.
Nimm während der Behandlung Aktivkohle aus dem Filter, denn sie bindet Arzneistoffe aus dem Wasser. Denk an die übrigen Bewohner: Viele Mittel, vor allem kupferhaltige, schaden Garnelen, Schnecken und anderen Wirbellosen, manche auch Welsen; mehr dazu im Ratgeber Garnelen mit Fischen. Auch einige Fische reagieren empfindlich, zum Beispiel der Elefantenrüsselfisch.
Antibiotika gehören nicht in die Hausapotheke für den Verdachtsfall. Welches Mittel gegen ein Bakterium hilft, lässt sich zuverlässig nur im Labor bestimmen. Wer ungezielt eins nach dem anderen probiert, fördert Keime, gegen die später nichts mehr wirkt. Bei bakteriellen Infektionen führt der Weg deshalb über die Tierarztpraxis. Und bei jeder Behandlung gilt: Ohne besseres Wasser und weniger Stress kommt die Krankheit oft zurück.
Vorbeugen ist leichter als heilen
Viele Erreger sind ohnehin im Becken oder kommen mit neuen Tieren hinein. Ob Fische krank werden, hängt vor allem von ihrer Abwehr ab, und die kannst du stärken:
- Quarantäne: Neue Fische für einige Wochen getrennt halten und beobachten, wie im Ratgeber Fische einsetzen und Quarantäne beschrieben. So bleiben eingeschleppte Parasiten draußen.
- Gutes Wasser: Regelmäßige Teilwasserwechsel, ein eingefahrener Filter und Werte, die zu deinen Arten passen.
- Passender Besatz: Arten mit ähnlichen Ansprüchen, die sich nicht gegenseitig stressen oder verletzen, zu prüfen im Besatz-Check.
- Nicht überbesetzen: Zu viele Fische belasten das Wasser und erhöhen die Keimdichte.
- Richtiges Futter: Abwechslungsreich, zur Art passend und nicht zu viel, siehe Fische füttern. Einseitige Ernährung schwächt die Fische auf Dauer.