Drei Dinge, die eine Pflanze braucht
Pflanzen bauen aus Licht, Kohlenstoff und Nährstoffen ihre Blätter. Fehlt eines davon, hilft auch die beste Ausstattung nichts: Wer düngt, aber zu wenig Licht hat, züchtet Algen statt Pflanzen. Deshalb lohnt es sich, die drei Dinge einzeln anzusehen.
In unserer Pflanzenübersicht steht bei jeder Art, wie viel Licht sie braucht und ob sie CO₂ verlangt. Danach kannst du filtern.
Licht: drei Stufen
Wir unterscheiden drei Stufen, und sie sagen mehr über die Ansprüche der Pflanze als über die Wattzahl deiner Lampe:
- Wenig Licht – schattenverträglich, wächst auch unter einer einfachen Beckenbeleuchtung. 27 Arten bei uns.
- Mittel – die größte Gruppe, 39 Arten. Mit einer ordentlichen LED-Leiste in einem normal hohen Becken machbar.
- Viel Licht – 7 Arten, meist rotlaubige. Sie brauchen eine starke Lampe und fast immer auch CO₂.
Ein hohes Becken ist dabei anspruchsvoller als ein flaches: Je tiefer das Wasser, desto weniger Licht kommt unten an. Und mehr Licht ist nicht automatisch besser – ohne passende Nährstoffe und Kohlenstoff nutzen die Pflanzen es nicht, und dann greifen die Algen zu.
CO₂: nötig, empfohlen oder überflüssig?
Kohlenstoff ist der eigentliche Baustoff. Pflanzen holen ihn aus Kohlenstoffdioxid, das im Wasser aber nur in geringen Mengen gelöst ist – es entsteht vor allem, wenn Bakterien abgestorbene Pflanzenteile und übriges Futter zersetzen. Wie viel eine Art davon braucht, ist sehr unterschiedlich.
Deshalb führen wir drei Stufen:
- Nicht nötig (43 Arten): kommen mit dem aus, was im Becken ohnehin entsteht. Dazu zählt etwa die Dichtblättrige Wasserpest.
- Empfohlen (26 Arten): wachsen auch ohne, mit Anlage aber deutlich besser.
- Nötig (4 Arten): gehen ohne CO₂ auf Dauer ein.
Ein interessanter Nebeneffekt bei knappem CO₂: Manche Pflanzen, vor allem Schwertpflanzen, können den Kohlenstoff auch aus Hydrogencarbonat im Wasser ziehen. Dabei scheiden sie Kalk aus, der sich als Kruste auf den Blättern ablagert. Fachleute nennen das biogene Entkalkung – wenn du weiße Beläge auf älteren Blättern siehst, weißt du jetzt, woher sie kommen.
Für den Anfang: Lass die CO₂-Anlage weg. 43 unserer 73 Arten brauchen keine, und ein gut laufendes Becken ohne Anlage ist leichter zu führen als ein schlecht eingestelltes mit.
Dünger: Boden oder Wasser?
Pflanzen brauchen Makronährstoffe in größeren Mengen – Kohlenstoff, Stickstoff, Phosphor, Kalium – und Mikronährstoffe in Spuren, darunter Eisen.
Ein Teil davon liefert das Becken selbst: Fischfutter und Ausscheidungen setzen Stickstoff und Phosphor frei. Was meist fehlt, sind Kalium und Eisen. Wo du düngst, hängt davon ab, wie die Pflanze Nährstoffe aufnimmt:
- Wurzelzehrer wie Schwertpflanzen und Wasserkelche ziehen viel über die Wurzeln. Düngekugeln oder -stäbchen, direkt unter oder neben der Pflanze in den Bodengrund gesteckt, wirken bei ihnen am besten.
- Stängelpflanzen und Aufsitzer nehmen vor allem über die Blätter auf. Sie profitieren von Flüssigdünger im Wasser.
Ein Nährbodengrund unter dem Kies ist eine Möglichkeit, hat aber einen Haken: Wühlende Schnecken und grabende Fische können ihn nach oben befördern.
Warum neue Pflanzen Blätter verlieren
Das ist der häufigste Schreck für Einsteiger – und meistens kein Grund zur Sorge.
Viele Aquarienpflanzen sind eigentlich Sumpfpflanzen. Sie wachsen in der Natur zeitweise über Wasser und werden in Gärtnereien auch so gezogen, weil sie dort schneller groß werden. Die Blätter, die du im Laden kaufst, sind also oft Überwasserblätter. Unter Wasser taugen sie nicht mehr, die Pflanze wirft sie ab und bildet neue.
Was du tun kannst: abwarten, abgestorbene Blätter entfernen, nichts umsetzen. Nach ein paar Wochen treibt die Pflanze mit richtigen Unterwasserblättern durch.
Eine Ausnahme, die man kennen sollte: Wasserkelche reagieren empfindlich auf Veränderungen der Wasserwerte. Dann zersetzen sich die Blätter regelrecht – die berüchtigte Cryptocorynenfäule. Auch hier gilt: Wurzelstock im Boden lassen, Wasserwerte stabil halten, die Pflanze treibt meist wieder aus.
Aufsitzer nie eingraben
Javafarn, Speerblätter und Moose wachsen nicht im Boden, sondern auf Wurzeln und Steinen. Sie bilden ein kriechendes Rhizom – einen waagerechten Spross, aus dem Blätter und Wurzeln austreiben. Gräbst du dieses Rhizom ein, fault es.
Richtig ist: mit Angelsehne oder Pflanzenkleber auf eine Wurzel oder einen Stein setzen und warten, bis die Pflanze sich selbst festgewachsen hat.
Dafür sind diese Arten besonders genügsam – sie wachsen langsam, brauchen wenig Licht und kein CO₂. Der Javafarn hat zudem sehr harte Blätter. Beim Zwergspeerblatt ist genau das der Grund, warum es sich auch in Becken mit pflanzenfressenden Fischen bewährt hat: Seine harten Blätter nimmt kaum eine Fischart in Angriff.
Womit du anfangen solltest
41 unserer 73 Arten sind als Einsteigerpflanzen eingestuft. Eine Zusammenstellung, die ohne CO₂ und mit wenig Licht auskommt:
- Hintergrund: Indischer Wasserfreund oder Dichtblättrige Wasserpest – beide wachsen schnell und zehren damit Nährstoffe auf, die sonst den Algen zugutekämen.
- Mittelgrund: Wendts Wasserkelch, anspruchslos und in mehreren Farbformen zu haben.
- Aufsitzer: Javafarn auf einer Wurzel.
- Solitär: Amazonas-Schwertpflanze, die mit der Zeit richtig groß wird.
- Vordergrund: Zwergamazonaspflanze für einen flachen Teppich.
Lieber viel als wenig: Ein dicht bepflanztes Becken läuft ruhiger als ein halbleeres. Schnellwachsende Arten sind dabei die besten Helfer gegen Algen, weil sie den Algen die Nährstoffe wegnehmen. Mehr dazu im Ratgeber Algen im Aquarium.
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