Wie Schnecken ins Becken kommen
Die meisten Aquarienschnecken zieht niemand absichtlich ein. Sie reisen als Tier oder als winziger Laich an Wasserpflanzen aus dem Zoofachhandel mit und fallen erst Wochen später auf. Schädlich sind sie nicht von vornherein: Viele Arten fressen Algenbeläge, abgestorbene Pflanzenteile und liegen gebliebenes Futter und räumen so mit auf. Zum Problem werden sie erst, wenn sie in großer Zahl auftreten.
Die häufigsten Arten
- Posthornschnecken: Ihr flaches, spiralig aufgerolltes Gehäuse erinnert an ein Posthorn. Im Aquarium ist meist eine kleine, wärmeliebende Art aus Nordamerika verbreitet. Posthornschnecken sind Zwitter und kleben ihren Laich als gallertigen Klumpen an Blätter, Steine oder die Scheibe.
- Blasenschnecken: klein, mit spitzem, links gewundenem Gehäuse. Sie kommen auch mit weniger gutem Wasser zurecht und leben von Pflanzenresten, Mulm und Algen.
- Malaiische Turmdeckelschnecke: Das schlanke, spitze Gehäuse steckt tagsüber meist im Bodengrund, aktiv wird sie vor allem nachts. Dabei lockert sie den Boden und frisst Futter- und Pflanzenreste. Die Weibchen können sich ohne Männchen fortpflanzen und bringen lebende Junge zur Welt, deshalb wächst der Bestand unter guten Bedingungen schnell. Sind es sehr viele, knabbern sie auch gesunde Pflanzen an.
- Rennschnecken: Die Zebrarennschnecke mit dem gestreiften Gehäuse wird gezielt als Algenfresserin gekauft. Sie klebt zwar Eikapseln an Steine und Wurzeln, doch ihre Larven brauchen Brack- oder Salzwasser und sterben im Süßwasserbecken. Eine Plage ist deshalb ausgeschlossen, alle Tiere im Handel sind Wildfänge. Rennschnecken klettern gern aus dem Wasser, eine Abdeckung ist Pflicht.
- Raubturmdeckelschnecke: Sie wird eingesetzt, um andere Schnecken zu dezimieren. Sie frisst vor allem Aas, aber auch andere Wasserschnecken samt Laich. Ihre Gelege enthalten oft nur ein einziges Ei.
Apfelschnecken: in der EU verboten
Große Apfelschnecken der Gattung Pomacea waren lange beliebte Aquarientiere. Seit sie als Quarantäneschädling eingestuft sind, ist es nach dem Pflanzengesundheitsrecht der EU verboten, sie zu handeln, zu halten oder zu vermehren. Das Julius Kühn-Institut begründet das mit den massiven Fraßschäden, die entkommene Tiere an Wasser- und Sumpfpflanzen anrichten, bis hin zu Reisfeldern in Südeuropa. Wer den Verdacht hat, solche Schnecken im Aquarium oder Teich zu haben, meldet das dem Pflanzenschutzdienst seines Bundeslandes.
Wenn es zu viele werden
Eine Schneckenplage zeigt meist, dass im Becken viel Fressbares liegt. Schnecken leben von Futter- und Pflanzenresten, und wo sie reichlich davon finden, vermehren sie sich schnell. Der wichtigste Schritt ist deshalb, sparsamer zu füttern, wie im Ratgeber Fische richtig füttern beschrieben. Dazu kommt:
- Absammeln: Mühsam, aber wirksam. Turmdeckelschnecken erwischst du am besten abends, wenn sie aus dem Boden kommen.
- Raubturmdeckelschnecken einsetzen: Sie dünnen den Bestand über Wochen aus. Bedenke, dass sie auch erwünschte Schnecken nicht verschonen.
- Schneckenfressende Fische: Die Prachtschmerle frisst sogar Blasenschnecken, wird aber rund 30 Zentimeter lang und braucht ein Becken ab 700 Litern. Die Netzschmerle nimmt Schnecken ebenfalls, ist gegen eine Plage aber kein verlässliches Mittel. Einen Fisch nur gegen Schnecken zu kaufen, ist selten eine gute Idee.
Von Chemie gegen Schnecken ist abzuraten. Wirbellose vertragen viele Aquarienmittel nicht, vor allem kupferhaltige – ein Mittel gegen Schnecken trifft deshalb leicht auch Garnelen, wie im Ratgeber Garnelen mit Fischen zusammen halten beschrieben.
Schnecken als Futter
Für manche Fische sind Schnecken kein Ärgernis, sondern notwendige Nahrung. Der Zwergkugelfisch braucht lebende kleine Schnecken, weil seine Zähne sonst zu lang werden. Umgekehrt können Schnecken selbst zur Gefahr werden: Beim Ringelhechtling fressen sie die Eier.
Niemals aussetzen
Schnecken aus dem Aquarium gehören nie in einen Teich, Bach oder See. Mehrere Aquarienarten, darunter die Malaiische Turmdeckelschnecke und die kleine Posthornschnecke aus Nordamerika, haben sich bereits in Gewässern außerhalb ihrer Heimat angesiedelt. Die Raubturmdeckelschnecke könnte heimische Wasserschnecken gefährden. Überzählige Tiere gibst du besser an andere Aquarianer ab oder fragst im Zoofachhandel nach.
Zum Weiterlesen
- Apfelschnecken: Haltung ist verboten (Julius Kühn-Institut)
- Apfelschnecken (Wikipedia)
- Posthornschnecke (Wikipedia)
- Abgeplattete Posthornschnecke (Wikipedia)
- Tellerschnecken (Wikipedia)
- Blasenschnecken (Wikipedia)
- Nadel-Kronenschnecke – Malaiische Turmdeckelschnecke (Wikipedia)
- Neritina natalensis – Zebrarennschnecke (Wikipedia)
- Raubturmdeckelschnecke (Wikipedia)
- Anentome helena (Wikipedia, englisch)
- Red-rimmed melania (Wikipedia, englisch)
Weitere Ratgeber
- Aquarium einrichten Schritt für Schritt
- Aquarium einfahren
- Wasserwerte verstehen: GH, KH und pH
- Besatz planen
- Fische einsetzen und Quarantäne
- Fische richtig füttern
- Algen im Aquarium
- Fischkrankheiten: erkennen und richtig handeln
- Garnelen mit Fischen zusammen halten
- Aquarium im Urlaub
- Glossar: Fachbegriffe kurz erklärt